Titelbild

Unfallchirurgie und Orthopädie

Knorpeltransplantation

Schnell ist es passiert: Knie verdreht. Diagnose: Gelenkknorpelschaden (Bild 1). Leider kann das Gelenk den Knorpel, der wie ein Stoßdämpfer zwischen den Knochen wirkt, nur im geringen Maße selbst heilen. So kann es passieren, dass sich vermeintlich kleine Verletzungen auf Dauer summieren. Im schlimmsten Fall ist der Knorpel verschlissen und die Knochen reiben direkt aufeinander. Die Folgen sind starke Schmerzen. Eine Arthrose stellt sich ein. 

Seit kurzem wird in Sanderbusch ein neues Behandlungsverfahren bei Gelenkknorpelschäden eingesetzt. Es ist eine moderne, dreidimensionale Version der Knorpelzelltransplantation (3D-Autologe Knorpelzelltransplantation - abgekürzt ACT).

Bei einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie) wird dem Patienten gesundes Knorpelgewebe entnommen und in ein Spezial-Labor, geschickt. Das fertigt daraus das Transplantat, das später im Knie eingesetzt wird. Aus dem entnommenen Knorpelstück lassen sich mit Hilfe von Enzymen die Knorpelzellen herauslösen. Diese Zellen werden dann im Labor vermehrt und auf ein speziell entwickeltes Trägermaterial aufgebracht. Nun wird ein neuer Knorpel gezüchtet. Weil Spender und Empfänger ein- und dieselbe Person sind, nennt man diese Methode auch autologe (körpereigene) Knorpelzelltransplantation.

Schon drei Wochen später kann dem Patienten ein aus seinen eigenen Zellen hergestelltes Transplantat passgenau eingesetzt werden. Da es sich dabei um körpereigenes Material handelt, gibt es keine Abstoßungsreaktion.

Die Transplantation erfolgt minimalinvasiv, d.h. mit einem kleinen Schnitt von ca. 4-6 cm. Die OP an sich dauert nur ca. 40 Minuten. Zunächst entfernt der Operateur das defekte Knorpelgewebe (Bild 2). Anschließend werden die gezüchteten Knorpelzellen ausgestanzt und mit einer Pinzette passgenau übertragen. Individuell wird dann entschieden, ob das “Knorpelpflaster“ mit resorbierbaren Nähten eingenäht oder mit kleinen, ebenfalls resorbierbaren Ankerstiften (Minipins) fixiert wird. Das für die Transplantation verwendete Trägermaterial, das Nahtmaterial und die Minipins lösen sich im Gelenk im Laufe mehrerer Wochen vollständig auf.

Dieses neuartige dreidimensionale High-Tech-Verfahren hat die Vorteile: Es muss keine Knochenhaut mehr entnommen werden, die Operationsschnitte und damit die Narben sind kleiner, die Operationszeit ist erheblich kürzer und das wichtigste: Der Patient hat weniger Schmerzen. Weil das Transplantat individuell als dreidimensionale Struktur gefertigt wird, passt es genau und wächst besser und vor allem gleichmäßig an. Der Patient ist schneller wieder fit und kann wieder in ein normales Leben zurückkehren.

Nach der Operation wird dem Patienten 2 Tage Bettruhe verordnet. Danach wird langsam die Belastung des reparierten Gelenkes gesteigert. Ab der 12. Woche können die Patienten beginnen, wieder Ihre gewohnten Alltagstätigkeiten aufzunehmen. Sie können wieder wandern, Rad fahren und schwimmen. Nur mit Sprung- und Laufsportarten sollten sie etwa 1 Jahr warten. Denn in den kommenden Monaten produzieren die Knorpelzellen weiter neues Knorpelgewebe. Die Reifung dieses Gewebes ist nach etwa 12 Monaten abgeschlossen.

Leider ist diese Behandlungsmethode nur angewandt, wenn der Defekt von gesundem Knorpel umgeben und kleiner als zehn Quadratzentimeter ist. Außerdem darf keine Arthrose vorliegen und der Patient nicht wesentlich älter als 50 Jahre sein. Fehlstellungen und beschädigte Menisken oder Bänder sollten vor der Therapie korrigiert und repariert werden.